Über dieses Hörbuch
Der Herzog von Wien überlässt Angelo die Regierungsgewalt. Dessen strenge Durchsetzung des Gesetzes bringt Claudio in Lebensgefahr. Claudios Schwester Isabella bittet um Gnade, doch die Begegnung ihres Anliegens mit Angelos Stellung erzeugt eine weitere moralische Schwierigkeit. Öffentliche Tugend verstrickt sich mit persönlichem Begehren und macht die ungleichen Bedingungen des Gesprächs umso bedeutsamer.
William Shakespeare begleitet Figuren, deren Entscheidungen institutionelle Macht und persönliche Verletzlichkeit verbinden. Eine Regel anzuwenden klärt Fragen der Gerechtigkeit nicht abschließend. Wer andere beurteilen darf, muss sich Prüfungen des eigenen Verhaltens stellen. Verkleidungen, Verhandlungen und zurückgehaltenes Wissen erschweren das Verhältnis zwischen dem Rechtmäßigen und dem Menschlichen und verändern, wie Absichten verstanden werden.
Das Stück untersucht Autorität, Einwilligung und das unsichere Gleichgewicht zwischen Strafe und Vergebung. Beunruhigende Situationen und komische Elemente widersetzen sich einer einfachen Trennung zwischen respektablen und belasteten Figuren. Dabei bleibt die Frage, wie Gnade wirken kann, wenn Macht die Bedingungen einer Begegnung bereits ungleich gemacht hat und nicht jeder mit derselben Freiheit entscheiden kann.