Über dieses Hörbuch
Ein angeblich aufgefundenes Stadtarchiv liefert die Geschichte des erfundenen Glupow. Die Chronik umfasst die Jahre 1731 bis 1825 und verzeichnet vor allem jene Stadtoberhäupter, die das Leben ihrer Untertanen nach wechselnden Einfällen ordnen. Einer begnügt sich mit Drohungen, ein anderer verspricht Wohlstand und hinterlässt Not; schließlich soll die ganze Stadt einer unerbittlichen militärischen Ordnung unterworfen werden. Verwaltungsakte, Feldzüge gegen die eigene Bevölkerung und groteske Lebensläufe ersetzen das Bild einer stetigen Entwicklung. Die Einwohner wechseln zwischen Angst, Hoffnung und Verehrung für den nächsten Machthaber, während die grundlegende Abhängigkeit bestehen bleibt.
Saltykow-Schtschedrin benutzt die feierliche Sprache der Geschichtsschreibung, um die Willkür hinter amtlichen Berichten sichtbar zu machen. Er übertreibt Vorgänge bis ins Fantastische, ohne die Folgen für die Bewohner aus dem Blick zu verlieren: Hunger, Zerstörung und erzwungener Gehorsam. Auch die Bevölkerung bleibt von seiner Satire nicht verschont, wenn sie das eigene Urteil an ihre Herrscher abtritt. Aus einzelnen Episoden entsteht ein Bild politischer Macht, die sich durch Tradition und bürokratische Formeln rechtfertigt. Die erfundene Stadt wird zum Schauplatz einer immer neuen Begegnung zwischen autoritärem Ehrgeiz und einer Gesellschaft, die sich daran gewöhnt hat, beherrscht zu werden.